· 

Bremen - Berlin

Die Urlaube werden als Vollzeitarbeiter wieder kürzer. Viele Wochen stehen mir zum Radreisen nicht mehr so leicht zur Verfügung, aber man kann auch in kürzerer Zeit eine schöne Strecke fahren. Der Erholungsfaktor stellt sich bei mir zum Glück immer sehr schnell ein. Den Spätsommerurlaub in diesem Jahr habe ich für eine schnelle Tour nach Berlin genutzt. Berlin ist die Heimat meiner Familie und mich zieht es immer wieder in die Hauptstadt. Dieses Mal zum ersten Mal mit dem Rad. Mein Freund musste arbeiten und hat sich bereit erklärt mich am kommenden Wochenende wieder aus Berlin abzuholen.



Di, 30.08.2016

Die Strecke Delmenhorst - Bremen bin ich nun schon so oft gefahren, dass ich morgens mit dem Zug das Stück bis zum Bremer Hauptbahnhof überbrücke. Dort soll die Tour, die aus 4 Etappen besteht, starten. 

Der erste Tag führt mich nach Lauenbrück, wo ich eine gute Freundin besuche und gleich auch meine erste Übernachtungsmöglichkeit habe.

Los geht es vom Bahnhof durch den Bürgerpark Richtung Universität ins Blockland. Das Bremer Blockland wird oft und gerne von den Bremer Rennradfahrern genutzt und die Landschaft mit den weiten Wümmewiesen fernab von großen Straßen ist eine wunderbare Strecke. Über Fischerhude, Ottersberg, Sottrum geht es dann entlang der B75 nach Rotenburg und weiter über Scheeßel nach Lauenbrück. Spektalulär ist die Stecke im weiteren nicht, aber das Wetter spielt mit. Der Wind kommt halbwegs von hinten und ich erreiche nach 67 km pünktlich mein Ziel, wo der Grill schon auf mich wartet. In geselliger Runde verbringen wir einen schönen Abend und im Kinderzimmer ihrer Tochter wartet ein weiches Bett auf mich.

Die Wümmewiesen zwischen dem Bremer Blockland und Fischerhude sind ein schönes Freizeitrevier und werden viel von den Bremer Rennradfahrern genutzt.

Vereinzelte alte Gehöfte geben dieser Gegend einen ganz besonderen Charme. 

Das Wetter spielt mal wieder prima mit. Bei angenehmen 25°C und leichtem Rückenwind macht Radreisen immer noch am meisten Spaß. Der weitere Teil war unspektakulär und deshalb gab es keine Fotos.


Mi, 31.08.2016

Die heutige Etape führt über 85 km durch die Lüneburger Heide über Schneverdingen und Munster nach Uelzen. Meist geht es auf gut ausgebauten Radwegen neben Land- und Kreisstraßen. Das Wetter ist prima, der Wind hat allerdings heute auf Ost gedreht. Da die Infrastruktur nun immer mehr abnimmt, wird der Verkehr hier deutlich weniger und auch Menschen sieht man nicht mehr so oft, abgesehen von kleinen Dörfern oder Städten. Da hier auch keine touristische Gegend, abgesehen von der Heide ist, kann man in aller Ruhe, abseits von Lärm und Trubel Richtung Osten radeln.

Gut ausgebaute Radwege entlang der Straßen. 

Irgendwo in der Heide.

Ende August blüht die Heide auch noch.

Viele Waldgebiete durchziehen die Gegend. Das schattige fahren durch die Wälder ist sehr angenehm.

Das heutige Ziel war Uelzen. Eine recht unspektakuläre Stadt, aber eine kleine nette Innenstadt und einen Hundertwasser-Bahnhof.


Do, 01.09.2016

Nach einer Nacht im Hotel geht es heute nach Werben, der kleinsten Hansestadt der Welt. Auf 109 km geht es über Lüchow, den Arendsee, Seehausen an die Elbe nach Werben. Auch heute erwarten mich keine touristischen Highlights, außer vielleicht dem Arendsee in der Altmark. Nichtsdestotrotz eine angenehme Strecke mit sehr wenig störendem Verkehr.  

Mein Lieblingsort der heutigen Etappe. Waddewitz!! Ach ne, Waddeweitz, für mich aber ein schöner Witz :-). 

Im Ratskeller von Lüchow gab es für 6 Euro Spanferkel mit Salat und Nachtisch. Bis heute eines der besten Essen, die ich auf meinen Touren unterwegs so hatte.

Die Landschaft bleibt die ganze Fahrt, abgesehen von Highlights wie der Heide typisch norddeutsch gleich: flach, viele Felder, Landwirtschaft, Hecken und wenig Zivilisation.

Nun geht es in den wilden Osten nach Sachsen Anhalt.

Kurze Pause und ein leckeres Bier am Arendsee.

Seehausen mit den Türmen der St. Petri-Kirche im Hintergrund. 

Werben ist ein schönes sehr kleines Städtchen mit viel Fachwerk. Im Sommer leben hier außerdem sehr viele Störche. Jetzt Anfang September sind sie allerdings alle schon auf dem Weg in den Süden. In der kleinen Pension am Markt bekomme ich ein sehr schönes, gemütliches  Zimmer. Die Atmosphäre ist sehr familiär und im Garten lebt eine schmusige Katze. Kurz nach meiner Ankunft fahre ich erstmal ein Stück zurück ins Freibad Werben. Hier bin ich wieder zu 100% im Osten angekommen, im positiven Sinne gemeint. Es ist, als ob hier die Zeit stehen geblieben ist. Ein braungebrannter Bademeister, der nebenbei die Karten verkauft und die Kinder ermahnt, die vom Beckenrand springen. Eine alte Baracke als Umkleide und lauter entspannte Menschen. Hier kann man sich richtig wohl fühlen.

Bilder der Stadt Werben an der Elbe.


Fr. 02.09.2016

Heute steht die längste Etappe auf dem Plan. Es geht auf 120 km in die Hauptstadt. Über Havelberg, Rhinow, Nauen und Falkensee nach Berlin. Heute startet auch mein Freund Richtung Berlin und mal sehen wer als erstes dort ankommt?  Für mich stehen heute ein paar Highlights auf dem Plan und am Ende werde ich mich aufgrund einer Baustelle und der klugen Idee, diese auf einem Feldweg zu umfahren, doch um einiges verspäten. Letztendlich bin ich aber pünktlich in Berlin angekommen, 30 min früher als mein Freund.

Doch zunächst erstmal ein wenig entlag des Elberadweges, denn Werben liegt direkt an der Elbe. Früh morgens ist es noch richtig schön am Fluss, keiner ist unterwegs und der Frühnebel hat sich gerade gelichtet. Aber die Freude währt kurz, denn nach wenigen Kilometern geht es bei Räbel mit der kleinen Fähre über die Elbe. Voll ist die Fähre, den Drüben in Havelberg findet ein riesiges Volksfest statt und deshalb ist die Fähre schon morgens gut mit Radlern und Fußgängern gefüllt. 

In dieser Gegend trifft man noch häufig auf Gierseilfähren, die allein durch die Strömung des Flusses angetrieben werden.

Havelberg ist ein schmuckes kleines Städtchen mit der Altstadt auf einer Havelinsel. Ich lasse die Stadt links liegen, obwohl ein Besuch sich bestimmt gelohnt hätte.

Den Osten erkennt man immer sehr gut an der Größe der Felder. Die sind hier nämlich oft um einges größer als bei uns. 

In Stölln-Rhinow machte einst Otto Lilienthal seine ersten Flugversuche mit einem Fluggleiter. 1896 stürzte er bei einem dieser Versuche tödlich ab. Als Segelfliegerin muss man natürlich dem Vater der Fliegerei einen Besuch abstatten. Hier in Rhinow war ich bereits kurz nach der Grenzöffnung. Der hier ansässige Verein hat Anfang der 90iger kurz nach der Grendöffnung zu einem großen Sternflug eingeladen. Unzählige Segelflieger flogen aus den alten Bundesländern hier ein, auch aus meinem Verein waren alle Flugzeuge dabei. Die, die keinen Platz im Flugzeug bekamem, so wie ich leider, kamen mit Auto und Anhänger. Es kamen weit mehr Menschen und Flugzeuge dorthin, als die Veranstalter geplant hatten. Das Bier war zwar irgendwann alle, aber es war für alle eine unvergessliche Party.

"Lady Agnes", eine IL62 aus der Interflug Flotte. Sie landete 1989 zu Ehren Otto Lilienthals auf der 860 m kurzen Grasbahn des Flugplatzes und ist seitdem Museum und Standesamt in einem. 

Und an dieser Stelle stürzte Otto Lilienthal bei einem seiner Flugversuche ab. Er geriet vermutlich in eine Windboe.

Der nächste Witz der Reise..... Aber ein schönes Örtchen.

Aber man trifft auch auf verlassene Ecken. Wobei es sich hier eher um eine ganze Reihe Schuppen handelt.

Die Verkehrsführung kurz vor Berlin wird etwas komplizierter. Ich fahre wegen Strassensperrung auf einem Feldweg und verfahre mich am Ende an einem Kanal, wo ich nur sehr mühsam wieder zurück auf eine Straße komme. Letztendlich mehr Umweg als gewollt. Mein Zeitplan wird etwas eng nun.

Ein kleiner Stadtcampingplatz am Berlin-Spandauer Stadtkanal unterhalb des Flughafen Tegel. Ich bin trotzdem noch rechtzeitig und als erste angekommen. Hier gab es zwei rustikale Betten im Kasernenstil für die Nacht, aber zuerst einmal eine Berliner Weiße.


Sa., 03.09.2016

Ein paar Impressionen aus Berlin. Ich hätte übrigens nicht gedacht, wie einfach man ungestört durch Berlin radeln kann. Die Stadt ist durchzogen von vielen Kanälen und Flüssen. Überall führen Radwege entlang und so kann man durchgehend im grünen und am Wasser durch die gesamte Stadt fahren ohne etwas davon zu merken.

Abschlussbild aus Sanssouci


Fazit: Mal eben nach Berlin fahren, kann man mal machen. Die Strecke ist nicht sonderlich spektakulär, auch nicht anspruchsvoll und ohne ernsthafte Steigungen. Aber man kann sich sein Land etwas genauer anschauen und hier und da doch mal ein Highlight finden.

Die Strecke war 380 km lang und hatte insgesamt knapp 1000 Höhenmeter. Die meisten Höhenmeter kamen in der Lüneburger Heide zusammen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0