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Durch den Wilden Osten - Radtour von Dresden nach Berlin

In diesem Jahr ging es in unserem Radurlaub um die Frage, wie der Osten heute eigentlich aussieht? Es gibt sie ja immer noch, die Vorurteile, die den Osten mit Plattenbauten oder Rechtsradikalen verbinden. Sicher, irgendwo wird man auch dort die negativen Seiten finden, aber die finde ich in jeder Gegend Deutschlands. Wer bereits dort war, weiß dass es in Wirklichkeit ganz anders aussieht.

Mit unserer Radtour von Dresden von Berlin wollten wir uns ein eigenes Bild des "wilden Ostens" machen. Werden wir wirklich überall Nazis sehen und ist das Land mit Plattenbauten zugepflastert?  Ich war bereits mehrfach dort und kannte die Antwort. Mein Freund Torsten war zunächst skeptisch und weniger begeistert, aber war neugierig genug, sich ein eiges Bild zu machen.

Also planten wir eine Radreise durch Sachsen und Brandenburg mit Ziel Berlin. Von Dresden fuhren wir ein Stück den Elbradweg bis zur tschechischen Grenzen; durch die Böhmische Schweiz bis Zittau; der Lausitzer Neisse folgend über Görlitz bis Bad Muskau; durch die Braunkohlegebiete der Lausitz bis zur Talsperre Spremberg bis Cottbus; einmal von Süd nach Nord durch den Spreewald und durch die Heideseen bis Berlin.


Dresden - Berlin. 

480 km

3500 Höhenmeter

7 Etappen. 

https://www.gpsies.com/map.do?fileId=qbxgdmuxswfnaafs


Tag 1

Auf dem Elberadweg

Dresden - Königstein

40 km; 400 Hm

Mit dem Zug sind wir morgens in unserer Heimatstadt Delmenhorst gestartet und erreichten mittags die Sächsische Hauptstadt Dresden. Eigentlich wären wir ein paar Tage früher hier gewesen, aber unser Kater Tiger hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Er verdarb sich den Magen und zögerte somit unsere Abfahrt um einige Tage hinaus. Nachdem Tickets und Hotels umgebucht waren, ging es dann aber nach Genesung der Katze los. Die Verzögerung hatte unseren Zeitplan insofern durcheinandergebracht, als dass wir nun keine Zeit mehr für eine ausgiebige Stadtbesichtigung hatten. Statt in Dresden zu übernachten, war unser erster Zeltplatz im 60 km entfernten Königstein an der Elbe. Somit fiel der Stadtrundgang kurz aus, obwohl man für Dresden eigentlich locker 2-3 Tage einplanen könnte.

Auch auf einem kurzen Stadtrundgang kann man sich ein Bild von der Fülle an Sehenswürdigkeiten machen. Dresden ist eine tolle Stadt. Wir müssen auf jeden Fall nochmal wieder kommen, um uns alles in Ruhe anzusehen.  

Gleichzeitig war an diesem Wochenende auch noch ein großes Stadtfest in der Innen- und Altstadt. Es war so unglaublich voll und überall waren Buden aufgebaut. Wir hatten mit unseren vollgepackten Rädern kaum eine Chance durchzukommen. Auch das gesamte Elbufer war voller Menschen. Alte Dampfmaschinen flanierten über die Straße. Es duftete nach Zuckerwatte und Bratwurst. Menschenmengen drängten sich durch die Gassen. Es war uns leider zu voll, so dass wir uns recht schnell aus der Stadt verabschiedeten. Los ging es nun auf dem Elbradweg Richtung Königstein. 

Das Wetter war ganz vorzüglich. In diesem Jahrhundertsommer 2018 war es von April bis weit in den Herbst hinein einfach nur warm und schön, aber auch sehr trocken. Für uns zum radeln war es das perfekte Wetter.

Der Elberadweg direkt hinter Dresden. Endlich Ruhe. Man radelt die ganze Zeit direkt an der Elbe mit Blick auf die gegenüberliegenden Hänge und alte historische Gebäude. 

Nicht weit hinter Dresden erscheint das Schloss Albrechtsburg, eines der drei Elbschlösser am rechten Elbufer im Dresdener Stadtteil Loschwitz. Erbaut im 19. Jahrhundert für Prinz Albrecht von Preußen. 

"Das blaue Wunder". Die Loschwitzer Brücke, ein historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland.  

Je weiter man nach Osten fährt, desto enger wird das Elbtal. 

Und dann sind wir mitten in der Sächsischen Schweiz mit der berühmten Bastei. 

Am späten Nachmittag haben wir unser Tagesziel erreicht. Den Campingplatz Königstein. Im Hintergrund auf dem Berg die Festung Königstein.

Der kleine Campingplatz liegt terassenförmig angelegt direkt an der Elbe. Da der Elbradweg sehr stark frequentiert wird, ist hier auch eine Menge los. Wir müssen uns erstmal anstellen, während der gemütliche Platzwart draußen auf seiner Bank einen Gast nach dem anderen abfertigt und in aller Ruhe aus seinem Häuschen Wechselgeld holt. Hier gibt es für ihn keinen Stress und die Gäste warten geduldig. Es sind auch einige ausländische Gäste dabei, aber der Platzwart spricht kein Wort Englisch. Andere Wartende springen immer wieder mal als Übersetzer ein. Zum Glück bekamen wir noch ein kleines Plätzchen für unser Zelt. Gegenüber hatte sich für die Nacht eine Gruppe Mopedfahrer in Schlaffässern einquartiert. Bis tief in die Nacht tranken sie Bier und waren rücksichtslos laut. Erst spät in der Nacht wurde es leise. So schön der Elbradweg auch ist, aber es ist auch schon ganz schön voll und laut hier.


Tag 2

Durch die Böhmische Schweiz

Königstein - Zittau

63 km; 1000 Hm

Am nächsten Morgen geht es ein wenig müde weiter entlang der Elbe. Dieser Teil ist wirklich wunderschön. Im Hintergrund tauchte die Kirchturmspitze von Bad Schandau auf. Von dort ist es nicht mehr weit bis Tschechien.

Bald verlassen wir die Elbe und den Elbradweg. 

Und auch Deutschland für eine Weile.

Die erste Nacht war für Torsten eindeutig noch ungemütlicher, den eine Maus muss sich auf unserem Dachboden mit seiner Luftmatraze beschäftigt haben. Sie hatte ein Loch. In Hrensko gab es zum Glück einen kleinen professionellen Outdoorshop mit Flickmaterial, der zudem Sonntags geöffnet hatte. Nachdem die Matraze geflickt war, geht es nun bergauf. In die Böhmische Schweiz. Wohl dem, der hier ein E-Bike hat :-). 

Die tschechischen Anstiege sind steil. 10% sind keine Seltenheit, teilweise sind die Straßen noch steiler. Ich bin froh, dass ich seit letztem Jahr E-Bike fahren darf. Meine Knie sind leider nicht mehr die besten.

In Tschechien muss man Schweinebraten mit Knödeln essen. Und am besten zum Nachtisch noch einen Palatschinken. Das Essen ist hier rustikal, deftig und lecker.

Dieser Teil Tschechiens ist wirklich sehr sehr schön. Eine sehr idylische Landschaft, bei der man denken kann, dass die Zeit hier ein bisschen stehen geblieben ist. 

Und schon waren wir wieder in Deutschland. Dieser kleine unscheinbare Grenzübergang zeigt wie einfach man doch Landesgrenzen überwinden kann. 

Auf und an ging es Richtung Zittau.

Wir lassen das kleinste Gebirge Deutschlands, das Zittauer Gebirge, rechts liegen.

Wir campen auf dem Seecampingplatz am Olbersdorfer See. Ein sehr weitläufiger, angenehmer Campingplatz vor der Toren Zittaus. 

Vom dem gefluteten Tagebau hat man einen schönen Blick auf das Zittauer Gebirge. Um den See herum, kann man anhand vieler Tafeln und alten Baumaschinen die Geschichte des Tagebaus nachverfolgen. 


Tag 3 

Oder-Neisse Radweg

Zittau - Görlitz

43 km ; 225 Hm

Zittau, eine der großen Kreisstädte im Landkreis Görlitz. Zittau ist eine liebevoll restaurierte  Stadt im äußersten Südosten Sachsens. Wir sind begeistert, wie schön es hier ist. 

Am Abend zuvor waren wir zum Abendessen im Historischen Wirtshaus Dornspachhaus, direkt neben der großen Johanniskirche. Also was wir nicht vergessen werden nach dieser Tour ist das Essen. Wir haben lange nicht mehr so gut gegessen wie hier in den alten Wirtshäusern. Man hat das Gefühl, die Omi würde in der Küche stehen, so lecker und echt schmeckt es hier. Und es wird nicht das letzte leckere Essen sein.

Es lohnt sich die 3 Euro zu investieren, um den 60 m hohen Turm der Johanniskirche zu besteigen. Von oben hat man einen herrlichen Blick auf Zittau, den Olbersdorfer See, das Zittauer Gebirge sowie auf Tschechien und Polen. Und wenn man Glück hat, kann man den Türmer und seine Katze sehen, die hier oben auf dem Turm leben.

Die Katze des Türmers genießt die Aussicht und die Streicheleinheiten der kleinen Turmbesucher.

Nach einem ausgiebigen Vormittag in Zittau fahren wir auf dem Oder-Neisse Radweg weiter bis Görlitz.

Ein besonders schöne Strecke des Oder-Neiße Radweges ist der Abschnitt zwischen Rosenthal und dem Kloster St. Marienthal. Der Fluss ist hier auch die Grenze zwischen Deutschland und Polen.

Der Radweg führt direkt über das Klostergelände. Hier gibt es auch Unterkünfte und einen kleinen Klosterladen. Direkt hinter dem Kloster lädt die Klosterschänke zu einer ordentlichen Vesper ein.

Und zum Nachtisch ein paar geklaute Zwetschgen aus dem Klostergarten.

229 km bis Berlin. Die 1500 km bis Mallorca kann man sich dieses Jahr sparen. Hier ist es heiß genug in diesem Jahr.

Auf durchweg gutem Asphalt geht es bei besten Wetter durch Wiesen und Felder bis Görlitz.

Eine Nacht Luxus. Das Parkhotel Görlitz hatte zu diesem Zeitpunkt sehr günstige Zimmerpreise. Wir haben eins davon reserviert. Im Vergleich zum einfachen Campingleben ein absoluter Luxus. Vor allem das Frühstück war grandios. 

Für Görlitz war die Wende die Rettung, den zum Ende der DDR Zeit wurde das Geld in den Neubau von Platten am Stadtrand investiert, anstatt in die Sanierung der maroden Altstadt. Diese verfiel immer dramatischer und die Pläne, die alten Gebäude zu sprengen standen kurz vor der Verwirklichung. Durch die Wende wurden diese Pläne verworfen und es wurde wieder Geld in die Sanierung der Altstadt gesteckt. 

Heute ist Göritz das größte flächenmäßige Denkmalgebiet mit 4000 großteils restaurierten Kultur- und Baudenkmälern. Und es ist wirklich eine wunderbar herausgeputze Altstadt geworden. Wir sind sehr begeistert.

Die Brücke der Freundschaft verbindet den deutschen Teil Göritz mit dem polnischen Teil Zgorzelec. Markant ist der Gegensatz zwischen dem liebevoll restaurierten Westteil und dem nachhinkenden Ostteil, wobei auch hier erste Gebäude restauriert worden sind. 

Die Peterskirche ist die größte Kirche von Görlitz. Erhaben liegt sie auf einem kleinen Hügel direkt am Grenzfluss.


Tag 4 

Oder Neiße Radweg mit Abweig zur Talsperre Spremberg.

Görlitz - Talsperre Spremberg (Bagenz)

100 km, 500 hm

Am nächsten Tag geht es weiter entlang des Oder-Neiße Radweges nach Bad Muskau.

Die "Neisse-Schleife" irgendwo am Radweg. Es folgen Impressionen des Oder-Neisse Radweges.

Auf dem Weg nach Bad Muskau fährt man weiterhin viel im grünen. Der Radweg verläuft fast durchweg abseits der Zivilisation. Den Fluss sieht man hier wieder seltener. Wer zwischendurch Hunger bekommt bedient sich an den unzähligen Apfel-, Birnen- und Zwetschgenbäumen. Natürlich nur eine Handvoll für den eigenen Verzehr, aber hier gibt es wirklich unglaublich viele Obstbäume am Straßenrand.

Bevor wir in Bad Muskau Pause machen, statten wir dem Polenmarkt in Leknica einen kurzen Besuch ab. Hier kann man alles kaufen und es soll scheinbar sehr sehr billig sein. Scharenweise strömen Menschen über die Lausitzer Neisse Brücke, um mit vollgepackten Tüten einige Zeit später wiederzukehren. Für uns ist nichts dabei. 

Der Muskauer Park mit dem Fürst Pückler Schloss gehört zum UNESCO Weltkulturerbe. Einen Besuch sollte man unbedingt einplanen und auch der weilläufige Park ist wunderschön.

In Bad Muskau verlassen wir den Oder-Neisse Radweg und machen uns auf dem Weg zur Talsperre Spremberg unterhalb von Cottbus. Wir fahren nun in den Teil der Lausitz, der von der Braunkohle geprägt ist. Würde man diese Gegend überfliegen, würde man riesige Braunkohletagebauten sehen. Einige sind noch aktiv, andere liegen brach oder werden in Naherholungsgebiete umgestaltet. 

Das Radfahren ist hier sehr angenehm. Immer wieder treffen wir auf landwirtschaftliche Straßen, die zur Radstraße umdeklariert wurden.

Ein Foto aus 2009. Ich war nach der Wende oft zum Segelfliegen in Brandenburg und Sachsen. Von oben kannte ich die Gegend bereits sehr gut. Hier sieht man als Beispiel den Tagebau Nochten unterhalb von Weißwasser. 

Nördlich von Spremberg wurde die Spree zu einem großen Stausee aufgestaut. Der See dient der Wasserversorgung, als Hochwasserschutz und zur Energiegewinnung. Aufgrund der starken Dürre in diesem Jahr ist der Wasserspiegel bereits um mehrere Meter gesunken. Priorität hat der oberhalb liegende Spreewald. Dort ist das Wasser wichtiger, da der Spreewald sehr stark vom Tourismus abhängig ist. Im Hintergrund das Kraftwerk Schwarze Pumpe südlich von Spremberg.

Am Stausee liegt ein kleiner idylischer Campingplatz, auf dem man für günstiges Geld übernachten kann. Ein kleiner Kiosk versorgt die Besucher mit Bockwurst, Suppe oder Pommes. Nicht lecker, aber in der Umgebung des Campingplatzes gab es weder Supermarkt noch offenes Restaurant. Hier sehen wir zum ersten und einzigen Mal eine Familie, die eindeutig rechts orientiert ist. Wir halten uns fern und genießen den Sonnenuntergang am See.


Tag 5

Wandel der Zeit

Talsperre Spremberg - Burg (Spreewald)

71 km 180 Hm

Am nächsten Morgen passieren wir ein kleines idylisches Dorf nach dem anderen auf der suche nach einem Supermarkt oder einem Bäcker, aber wir finden einfach nichts dergleichen. Ein älterer Herr am Straßenrand klärt uns auf. In dieser Gegend gibt es nur den Krämerwagen, der jeden Tag die Menschen in den Dörfern mit Lebensmitteln und Brötchen versorgt. Wir haben ihn schon verpasst, aber ein paar Kilometer weiter soll es eine Metzgerei mit kleinem Tante Emma Laden geben. Da müssen wir dringend hin. Wir haben großen Hunger.

Und tatsächlich, der Metzger im kleinen Ort Gablenz versorgt uns mit frisch geschmierten und liebvoll verzierten Brötchen mit selbstgemachter Streichwurst und Schinken. Es schmeckt wieder wie bei Mutti. Herrlich.

Frisch gestärkt geht es durch weitläufige Nadelwälder weiter nach Cottbus. 

Nordöstlich von Cottbus entsteht in den nächsten Jahren der größte geflutete Stausee in der Lausitzer Region. 1900 ha Fläche werden ab 2019 geflutet und mehrere Jahre später wird hier "der" Ostsee entstehen. Ein Naherholungsgebiet für Cottbus und die umliegenden Regionen. Im Hintergrund das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde, dass von weiteren noch aktiven Tagebauten in der Nähe gespeist wird. 

Von Cottbus war ich mehr als positiv überrascht. Selbst bei mir hielt sich das Klischee, dass der Osten zwar schön ist, aber doch nicht Cottbus. Eine Stadt, die in der Tat einen schechten Ruf genießt, aber Nein! Das können wir nicht bestätigen. Die Altstadt ist wunderschön zurechtgemacht; das Eis im Café am Eck ist sehr lecker und die Menschen machen einen netten Eindruck. Auch die Randgebiete, die wir gesehen haben, sahen nicht schlimm aus. Also alles in allem, kann man auch Cottbus gerne mal einen Besuch abstatten. Alles im positiven Wandel hier.

"Spreeradweg, Fürst-Pückler Radweg, Gurkenradweg, Niederlausitzer Bergbautour." 

Radwege gibt es hier zuhauf. Von Cottbus aus werden wir nun auf dem Spreeradweg weiterradeln. Unser nächstes Ziel ist der Spreewald.

Es geht weiterhin sehr idyllisch vorwärts. 

Wir campen auf dem Kneipp- und Erlebniscampingplatz von Burg und bekommen eine hübsche kleine Ecke am Patzrand zugewiesen. Wir haben heute den Tag aber so viel getrödelt, dass wir uns nicht mehr den Ort Burg ansehen, sondern den Tag faul ausklingen lassen und dabei das leckere Essen auf dem Campingplatz genießen. 


Tag 6

Gurken im Spreewald

Burg - Schmöckwitz (Berlin)

117 km 400 Hm

Impressionen aus dem Spreewald.

Wo sind die Spreewaldgurken?

Wir haben Lübbenau erreicht. Ein zentraler Touriort für Ausflüge in den Spreewald. Im Hafen warten unzählige Kähne auf die vielen Gäste, die den Spreewald auf dem Wasserweg erleben wollen. In den Orten und an Straßenrändern stehen überall Gurkenverkäufer, die ihre Spreewaldgurken anpreisen. 

Aber wo kommen die Gurken her? Auf unserer Fahrt einmal quer durch den Spreewald sehen wir kein einziges Gurkenfeld. Keiner kann uns genau sagen, wo die Felder sind. 

Das soll aber kein Beweis dafür sein, dass es sie nicht gibt. Es gibt sie schon, aber sie sind gut versteckt. 

Wir suchen aber heute keine Gurken, sondern mal wieder einen Campingbedarf. Langsam wird unsere Ausrüstung zu alt. Die Zeltstange ist gebrochen und auch meine Luftmatraze hat seit letzter Nacht ein Loch. Lübbenau ist zum Glück groß genug für einen Baumarkt und einen Outdoorshop. Nach einer guten Stunde haben wir alles zusammen und wollen endlich wieder weiter.

Nahezu jeder Fluss nennt sich hier Spree und man kann schnell den Überblick verlieren. Wir radeln hier an der "echten" Spree von Lübbenau nach Lübbben.

Zwischen Lübben und Schlepzig verläuft der Spreeradweg an großen aneinandergereihten Fischteichen vorbei. Der Weg verläuft hier auf Schotter und Sand, ist aber auch mit Gepäck noch machbar.

Wald, Wald und nochmals Wald. Die Region Dahme-Heideseen südlich von Berlin hat viel Wald zu bieten. Kilometerlang kann man hier durch schier endlose Kiefernwälder fahren. Bei der momentanen Trockenheit ein etwas mulmiges Gefühl, gilt doch aktuell vielerorts die höchste Waldbrandstufe.

Pause am Wolziger See. Es ist ein langer heißer Tag. Wir genießen die Hitze und die Einsamkeit der Gegend, aber was wir vermissen, sind Gaststätten, Restaurants, Imbisse, Supermärkte. Und auch hier am See gibt es zwar eine kleine Gaststätte, aber keine Kleinigkeiten zu essen. Dafür hätten wir uns fangfrischen Fisch kaufen können, doch wir entscheiden uns dann nur für ein Eis. 

Und dann überqueren wir den Berliner Ring und erreichen kurze Zeit später den Bezirk Treptow-Köpenick von Berlin. 

Nach 117 km durch die Hitze Brandenburgs erreichen wir am Nachmittag den Campingplatz Crossinsee im Südosten Berlins. Ein schöner ruhiger Platz in einem Kiefernwald direkt am See. Als wir uns abends zum Abendessen fertigmachen, werden wir  mit den Folgen der Hitze konfrontiert. Als wir uns fürs Abendessen fertigmachen, zieht von Süden eine Wetterfront auf. Eine dunkle Wand zieht über den See direkt in unsere Richtung. Plötzlich frischt der Wind sehr stark auf und verwandelt den Campingplatz in einen Sandsturm. In kurzer Zeit ist unser Zelt völlig versandet. Dazu regnet es drei Tropfen und dann mischt sich ein intensiver Brandgeruch unter die staubige Luft. Es fühlt sich an, als ob es direkt nebenan brennt, so stark ist der Geruch. Verbunden mit dem Sturm, dem Staub, dem unheimlichen Licht eine gruselige Stimmung. Es stellte sich heraus, dass ein riesengroßer Wald im Süden Berlins brennt. 300 ha brennen, Dörfer müssen evakuiert werden, alte Weltkriegsmunition explodiert. Und wir sind an diesem Tag durch einen großen Wald gefahren, der nicht weit davon entfernt war. Es war also tatsächlich eine kritische Situation, in der wir uns heute befanden. Es hat Tage gedauert, bis der Brand endlich gelöscht war. Nicht daran zu denken, wenn so ein Wald plötzlich zu brennen anfängt, während man mittendrin ist. Zum Glück ist ja nichts passiert.


Berlin

56 km 300 Hm

Am nächsten Tag ist der Spuk vorbei. Wir radeln durch den Berliner Stadtforst Köpenick und statten dem Müggelturm auf dem kleinen Müggelberg einen Besuch ab. Vom knapp 30 m hohen Turm hat man einen schönen Blick auf die Berge, die Stadt am Horizont, den Flughafen Schönefeld und bei guter Sicht auch bis zur Halle vom Tropical Islands. Berlin kann sehr grün sein.

Wer kennt ihn? Den Hauptmann von Köpenick. Am 16. Okt. 1906 besetzte der als Hauptmann verkleidete Schuhmacher Friedrich Wilhelm Voigt das Rathaus und plünderte die Stadtkasse. Die Aktion war so spektakulär, dass daraufhin ein Theaterstück geschrieben wurde.

Unsere Zeit in Berlin war mit Familienbesuchen verbunden. Kein Sightseeing mehr.  Deshalb endet unsere Fotostory hier auf dem Tempelhofer Flughafen, den wir am letzten Abend besuchen. Eine tolle Entscheidung der damaligen Regierung aus dem stillgelegten Flughafen eine freie Fläche für die Bürger Berlins zu machen. Hier kann man die Stimmung der Stadt wunderbar einfangen und den Sonnenuntergang genießen. Hiermit endet unsere Reise durch den wilden Osten. Wir hoffen, ihr hattet ein paar Einblicke in eine wirklich schöne Regions Deutschlands. Was hängen geblieben ist, ist das gute Essen, die netten Menschen, die vielen Obstbäume, die perfekten Strassen und das tolle Wetter im Sommer 2018.

Plattenbauten und Rechtsradikale haben wir nicht wirklich gesehen, bis auf die eine Ausnahme an der Talsperre. Plattenbauten gibt es natürlich immer noch. Aber sie sind vielerorts renoviert und machen einen ordentlichen Eindruck. Es ist hier so viel renoviert und restauriert worden. Die Straßen sind perfekt asphaltiert, es wurde viel Geld in schöne Radwege investiert und trotzdem fühlt es sich nicht abgehoben an. Die Menschen sind genauso nett und freundlich wie immer. Ich fühle mich hier sehr wohl und auch Torsten ist mehr als begeistert von allem. Der wilde Osten Deutschlands ist auf jeden Fall eine Reise wert.

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Kommentare: 1
  • #1

    Inga (Montag, 25 Februar 2019 07:33)

    Ein sehr schöner Bericht und gute Bilder. Es hat mir Freude bereitet ihn zu lesen und Deine Eindrücke als Anregungen mit in die kommenden Tourenplanungen mitzunehmen! Liebe Grüße aus der Südheide von Inga